Digital resources in the Social Sciences and Humanities OpenEdition Our platforms OpenEdition Books OpenEdition Journals Hypotheses Calenda Libraries OpenEdition Freemium Follow us

Rembrandts “Betende alte Frau” aus dem 3D-Drucker

Abb. 1: Durch die Extrusion einzelner Flächen wird die Grundproportion des Kopfes geformt (The basic proportion of the head are formed by extruding individual sections); © M. Huber

 

Abb.2: Das Bild dient als Refenz (The painting is used as a reference); © M. Huber

Abb.3 / 3a: Die virtuelle Kamera (grün) erkennt das dreidimensionale Referenzbild (The virtual camera (green) captures the reference Picture); © M. Huber

 

Abb. 3a; © M. Huber

Abb. 4; © M. Huber

Abb. 4a; © M. Huber

 

Abb. 5; © M. Huber

Abb. 6; © M. Huber

 

 

 

Zur Ausstellung „Rembrandt. Unter der Farbe“, die in der Residenzgalerie Salzburg im DomQuartier 2016/17 zu sehen war, wurde vom Gemälde „Betende alte Frau“ von Rembrandt für die Ausstellungsdidaktik eine 3D-Figur der Büste durch Markus Huber MA (3D Artist; Visuelle Medien Salzburg) angefertigt. Diese Büste aus dem 3D-Drucker verdeutlicht eine weitere Facette des Kunstwerkes.

Die Schwierigkeiten bzgl. einer proportionalen Verschiebung wurden erst in der Erstellung des digitalen Entwurfes offensichtlich.

Für den Scan der zweidimensionalen Reproduktion wurde eine spezielle Software (Autodesk Maya) verwendet, um diese in den virtuellen dreidimensionalen Raum zu übertragen. Die Büste, die in einen vielfach zerteilten Würfel (Abb. 1) eingeschrieben und dessen räumliche Schnittpunkte durch Verschieben ständig angepasst wurden (Abb. 2), konnte Schritt für Schritt von der Computergrafik-Software geformt werden (Abb. 3). Bei der Modellierung des 3D-Objektes wurde auf die exakte Übertragung der Proportionen geachtet (Abb. 4), um ein möglichst realitätsnahes Ergebnis zu erzielen. Das daraus entstandene 3D-Modell der „Betenden alten Frau“ konnte mithilfe eines 3D-Druckers in weißem Kunststoff repliziert werden (Abb. 5). Während der Modellierung des proportional exakten dreidimensionalen Nachbaus zeigte sich, dass die virtuelle Kamera, die in der Computergrafik-Software das menschliche Auge mimt, bei der Darstellung des Originalgemäldes eine Brennweite von 20 mm (Kleinbildformat) aufweist, um der perspektivisch plausiblen Wahrnehmung des 3D-Modells zu entsprechen. Würde das aus der Perspektive des Rembrandt-Originals 1:1 übertragene 3D-Modell nun ausgedruckt werden, wäre das Resultat ein Modell mit unrealistischen Proportionen. Beispielsweise wären die Hände im Vergleich zum Kopf viel zu klein (Abb. 6). Das liegt daran, dass das menschliche Auge mit einer höheren Brennweite als 20 mm sieht. Infolgedessen musste das 3D-Modell also vor dem Druck leicht korrigiert werden, damit es als ausgedrucktes Objekt proportional korrekt erscheint. Das Gemälde zeigt die Figur der Betenden – möglicherweise dem stehend rechteckigen Format geschuldet – etwas überlängt, was die Figur schmäler wirken lässt. Hände und Gesicht nähern sich stärker an. Dadurch unterstreicht die Perspektiven-/Körperkorrektur zusätzlich die kontemplative Erscheinung.

Dazu / See: Markus Huber: Making of „3D-Rembrandt“. In: Rembrandt. Unter der Farbe (Rembrandt. Beneath the Paint), Ausstellungskatalog / catalogue Residenzgalerie Salzburg, 2016; S./p.117-124

 

 

 

Rembrandt’s “Praying old woman” from the 3D printer

A 3D animated image of the painting “Old Woman Praying” by Rembrandt was made for the exhibition “Rembrandt. Beneath the Paint” shown at the Residenzgalerie Salzburg / DomQuartier in 2016/1 y the 3D artist Markus Huber MA (Visuelle Medien Salzburg). The figure from the 3d printer illustrates a new facet of the artwork.

Only in generating the digital template did the concomitant problems of proportional distortion emerge.

The scanned two-dimensional reproduction was transferred into a virtual three-dimensional space using specialised computer software (Autodesk Maya). This software made it possible to recreate the portrait within a cube ( illus. 1), which was broken down into multiple sections; the points of intersection were constantly adjusted during the step-by-step creation process (illus. 2, 3). The 3D-modelling involved attention to the exact transfer of the proportions in order to achieve the most realistic image possibl (illus. 4). The resulting 3D model of the Old Woman Praying was replicated in white plastic using a 3D printer (illus. 5). In the animations necessary for producing the 3D model, it became clear that the normal focal length of the human eye – equivalent to that of a 35mm camera – is approximately 50mm. In the Rembrandt painting, the perspective distortion of the figure is at a focal length of 20 mm. If the composition is transferred into a digital representation for a 3D copy with a focal length of 50 mm, the distorted perspective of the original is evident particularly in the undersized hands and the over-flattened alignment of the eyes (illus. 6).

The painting shows the figure of the praying woman – possibly adapted to the upright rectangular form – slightly elongated, which means that the figure looks narrower and the hands and face seem closer together. Thus the artist’s correction further emphasises the woman’s contemplative aspect.

 

 

Gabriele Groschner
Gabriele Groschner

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Gabriele Groschner (4. Juli 2018). Rembrandts “Betende alte Frau” aus dem 3D-Drucker. TONALE MALEREI. Abgerufen am 6. September 2026 von https://doi.org/10.58079/urtm


Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.